Einheit 4 — Lager, Fertigung und Buchhaltung
Was du nach dieser Einheit weißt: Du kennst die Grundzüge von drei weiteren Kernprozessen — Lagerverwaltung, Fertigung und Buchhaltung — und verstehst ihre Rolle im Gesamtbild.
Lagerverwaltung
Was das Lager tut
Das Lager verwaltet den physischen Bestand — alles was im Unternehmen an Material und Produkten vorhanden ist. Es muss zu jeder Zeit wissen:
- Was ist da? (welche Artikel)
- Wie viel ist da? (welche Mengen)
- Wo liegt es? (welcher Lagerort, welches Regal, welcher Stellplatz)
Wichtige Vorgänge
Wareneingang — Material kommt von einem Lieferanten an. Das Lager nimmt es entgegen, prüft es und bucht es ins System ein. Ab jetzt ist es im Bestand verfügbar.
Warenausgang — Fertige Produkte werden an einen Kunden versendet. Das Lager kommissioniert die Ware (d.h. stellt sie zusammen), verpackt sie und übergibt sie an den Spediteur. Die Menge wird aus dem Bestand ausgebucht.
Umlagerung — Material wird innerhalb des Unternehmens bewegt, z. B. vom Hauptlager ins Produktionslager.
Kommissionierung — Das Zusammenstellen einer Lieferung anhand eines Auftrags. Ein Lagermitarbeiter bekommt eine Kommissionierliste (Pickliste) und sammelt die benötigten Artikel aus den Regalen.
Inventur — Die regelmäßige Prüfung ob der tatsächliche Bestand mit dem Bestand im System übereinstimmt. Gesetzlich vorgeschrieben, in der Praxis oft aufwändig.
Warum das für Automatisierung relevant ist
Lagerprozesse erzeugen sehr viele Buchungen — jeder Wareneingang, jeder Warenausgang, jede Umlagerung verändert den Bestand. Wenn diese Buchungen nicht stimmen, stimmt der Bestand nicht, und wenn der Bestand nicht stimmt, kann das Unternehmen nicht planen. Automatisierte Buchungen (z. B. Wareneingang automatisch aus dem Lieferschein buchen) eliminieren manuelle Fehler.
Fertigung
Was die Fertigung tut
Die Fertigung nimmt Eingangsmaterial (Rohmaterial, Zukaufteile) und macht daraus fertige Produkte. Dazu braucht sie zwei zentrale Informationen:
Die Stückliste (Bill of Materials / BOM) — eine Liste aller Teile und Materialien die in ein Produkt eingehen.
Beispiel: Ein Bürostuhl besteht aus:
| Position | Artikel | Menge |
|---|---|---|
| 1 | Sitzfläche, gepolstert | 1 Stück |
| 2 | Rückenlehne | 1 Stück |
| 3 | Gasdruckfeder | 1 Stück |
| 4 | Fußkreuz, 5-armig | 1 Stück |
| 5 | Rolle, drehbar | 5 Stück |
| 6 | Armlehne | 2 Stück |
| 7 | Schraube M6x20 | 12 Stück |
Die Stückliste ist eine der wichtigsten Stammdaten im Unternehmen — sie bestimmt was eingekauft werden muss und wie viel.
Der Arbeitsplan (Routing) — beschreibt in welcher Reihenfolge welche Arbeitsschritte an welcher Maschine oder welchem Arbeitsplatz durchgeführt werden. Für Automatisierung weniger relevant, aber gut zu wissen dass es ihn gibt.
Der Fertigungsablauf
Fertigungsauftrag erstellen
→ Material aus dem Lager entnehmen (Materialentnahme)
→ Arbeitsschritte durchführen
→ Qualitätsprüfung
→ Fertigprodukt ins Lager einbuchen (Rückmeldung)
Warum das für Automatisierung relevant ist
Fertigungsaufträge können automatisch aus Kundenaufträgen abgeleitet werden. Materialentnahmen können automatisch gebucht werden. Rückmeldungen aus der Fertigung können automatisch den Lagerbestand aktualisieren und den Versand anstoßen.
Buchhaltung
Was die Buchhaltung tut
Die Buchhaltung dokumentiert jeden Geschäftsvorfall in Zahlen. Gesetzlich ist jedes Unternehmen verpflichtet, alle Geschäftsvorfälle lückenlos und nachvollziehbar aufzuzeichnen.
Die zwei Seiten
Debitorenbuchhaltung (Forderungen) — verwaltet alles was Kunden dem Unternehmen schulden. Wenn du eine Rechnung an einen Kunden schickst, entsteht eine offene Forderung. Wenn der Kunde zahlt, wird die Forderung ausgeglichen.
Kreditorenbuchhaltung (Verbindlichkeiten) — verwaltet alles was das Unternehmen seinen Lieferanten schuldet. Wenn du eine Rechnung von einem Lieferanten bekommst, entsteht eine offene Verbindlichkeit. Wenn du zahlst, wird sie ausgeglichen.
Ein Debitor ist ein Geschäftspartner der dir Geld schuldet — dein Kunde. Ein Kreditor ist ein Geschäftspartner dem du Geld schuldest — dein Lieferant. Dieselbe Firma kann in deinem System als Debitor und als Kreditor existieren — nämlich wenn du sowohl an sie verkaufst als auch von ihr kaufst.
Wichtige Begriffe in der Buchhaltung
Sachkonto — Ein Konto auf dem bestimmte Geschäftsvorfälle gebucht werden. Es gibt Sachkonten für Umsatzerlöse, für Materialkosten, für Porto, für Reisekosten und so weiter. Sachkonten gruppieren die Geschäftsvorfälle nach ihrer Art.
Kostenstelle — Eine organisatorische Einheit, der Kosten zugeordnet werden. Typische Kostenstellen sind Abteilungen (z. B. Kostenstelle 100 = Vertrieb, 200 = Fertigung, 300 = Verwaltung). Kostenstellen beantworten die Frage: Wo sind die Kosten entstanden?
Buchung — Ein einzelner Eintrag in der Buchhaltung. Jede Buchung hat mindestens ein Soll-Konto und ein Haben-Konto (doppelte Buchführung). Für Automatisierung musst du das nicht im Detail verstehen — aber wissen, dass Geschäftsvorfälle immer „gebucht" werden müssen.
Warum das für Automatisierung relevant ist
Die Buchhaltung verarbeitet große Mengen an Belegen — Eingangsrechnungen, Ausgangsrechnungen, Zahlungsavise, Gutschriften, Kontoauszüge. Viele dieser Belege folgen einem vorhersehbaren Format. Das macht sie zu idealen Kandidaten für automatische Verarbeitung: Beleg lesen, Daten extrahieren, im System buchen.
Zusammengefasst
| Bereich | Kernfrage | Typisches Automatisierungspotenzial |
|---|---|---|
| Lager | Was ist wo und wie viel? | Automatische Buchungen bei Warenein-/-ausgang |
| Fertigung | Was wird woraus in welcher Reihenfolge? | Fertigungsaufträge aus Kundenaufträgen ableiten |
| Buchhaltung | Welcher Geschäftsvorfall wurde wie gebucht? | Belegverarbeitung, Rechnungsprüfung, Zahlungszuordnung |